Dienstag, 8. Mai 2007

Die Welt entdecken

Bewusst leben und wahrnehmen – etwas das uns im Alltag oft schwer fällt. Wieso denn eigentlich? Unser Hirn filtert die aufgenommenen Informationen nach deren Wichtigkeit. Fahre ich mit dem Auto beispielsweise, ist der Filter Autoschilder, andere VerkehrsteilnehmerInnen und die Fahrbahn sehen von Bedeutung. Hübsche Frauen (wenig bis weniger angezogen) lenken vor allem das Auge des männlichen Betrachters auf sich. Übergrosse Werbeplakate an verkehrsreichen Plätzen mit eben jenen Frauen mussten sogar schon aus Sicherheitsgründen wieder entfernt werden.

Die Übung, die Welt bewusst wahrzunehmen mache ich immer wieder. Zeichnen hilft mir beispielsweise sehr, denn wenn man etwas abzeichnet, muss man es ganz genau betrachten. Aus diesem Grund sind Zeichenblock und Bleistift ständige Begleiter auf meinen Wanderungen in den Bergen.
Wie blind ich manchmal durch die Welt renne oder laufe oder schlafe, hat mir ein Schullektion an der Kanti gezeigt. Wir erhielten den Auftrag unsere Haustüre aus dem Gedächntis zu zeichnen. Ich hatte die allergrössten Probleme. Die Farbe konnte ich gerade noch bestimmen. Ich wusste, dass es eine Verglasung in der Mitte hatte und einen eher eckigen Türgriff, aber dann war ich auch schon mit meiner Weisheit am Ende.

Heute habe ich die Pflanzen in unserem Garten wieder einmal ganz genau betrachtet. Erstaunt hat mich, dass von den Sonnenblumen, die meine Schwester letzte Woche gepflanzt hat, schon zarte Blättchen aus dem Boden gucken. Unter anderem sah ich auch, dass die Rosen schon zu blühen begonnen haben und dass sie dringend eine Antilausbehandlung nötig haben.

Jeden Tag gewisse Augenblicke bewusst wahrzunehmen, ist eine Fähigkeit, die meiner Meinung nach glücklich macht. Denn nur durch genaues Betrachten sieht man die Schönheit und Einzigartigkeit jedes Dings.

Nachhaltige Entwicklung als Ziel zu setzen, ohne die Fähigkeit des bewussten Lebens, scheint mir unmöglich. Ich möchte diese Aussage am Beispiel Biodiversität verdeutlichen. Wenn ich beispielsweise die Wiesen nicht genaue betrachte, sondern diese einfach als grüne Flächen sehe, wird es mir auch nicht auffallen, wenn gewisse Pflanzen nicht mehr da sind, weil ich sie ja nie gesehen habe. Etwas zu schützen, dass ich nicht gekannt habe wird für mich nicht von so grosser Bedeutung sein. Zudem werde ich auch keinen Handlungsbedarf zum Schutz der Pflanzen sehen, da ich die Veränderungen der Wiesen beispielsweise gar nicht bemerkt habe und sie für mich immer noch gleich sind. Deshalb ist für mich nachhaltige Entwicklung und bewusstes Wahrnehmen unzertrennlich.

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